Obwohl mir die Eingewöhnung in das Arbeitsleben (wie im
letzten Post erwähnt) etwas schwer gefallen ist, kann ich doch sagen, dass mir
meine Zeit auf der Farm dieses Mal wesentlich besser gefallen hat als beim
ersten Mal.
Das hatte viele Gründe denke ich. Der Bedeutendste für mich
war aber, dass ich selbst „stabiler“ war. Das ganze Reisen und das viele
alleine sein hat mich dazu gebracht, mich selbst mehr zu akzeptieren und mir
gegenüber mehr Selbstrespekt aufzubringen. Ich bin auf dem Weg mich nicht mehr
hauptsächlich an meinen Leistungen zu messen, sondern mich auch gut zu fühlen
wenn ich mal nichts wirklich geleistet habe oder sogar einen Fehler gemacht
habe. Dadurch habe ich mich, auch wenn auf der Farm gerade mal nichts zu tun
war, nicht nutzlos und unbedeutend gefühlt und irgendwelche Kommentare darüber,
dass ich Aufgaben zu exakt nehme, zu langsam arbeite oder irgendwas falsch
gemacht habe hatten einen weit geringeren Einfluss auf mich. Ich will nicht
sagen sie hatten gar keinen, aber bei Weitem nicht den, den sie das Letzte mal
hatten.
Letztes Mal hatte es mich auch total fertig gemacht, dass
meine „Kollegen“ mich manchmal einfach ignoriert haben. Dieses Mal war das zwar
auch kein gerade schönes Gefühl, aber es hat viel weniger Schaden angerichtet,
weil ich mich nicht vorher schon nutzlos gefühlt habe. Außerdem denke ich,
dadurch dass ich von Vornherein mehr Selbstbewusstsein ausgestrahlt habe,
konnten sie mich nicht so leicht ignorieren und haben das demnach auch nicht so
oft gemacht.
Mit dieser veränderten Einstellung war also alles nicht mehr
so erniedrigend. Ich habe mich nicht mehr wie eine Art Sklave gefühlt, sondern
wie ein Mitarbeiter auf der gleichen oder ähnlichen Ebene wie die Anderen.
Dazu kommt noch, dass dieses Mal wirklich mehr zu tun war.
Die ersten 3 Tage haben mich direkt richtig umgehauen. Die beiden Kollegen, die
sonst die meiste Arbeit gemacht haben waren nicht da. Der eine hatte das
Wochenende frei, der andere war bei einem Outdoor Survival Kurs oder so.
Dadurch war ich mit nur einem anderen Kollegen alleine, was darin resultierte,
dass ich dauernd melken musste. Am ersten Tag direkt morgens UND abends, und
danach jeden Morgen. Im Vergleich: Letztes Mal habe ich maximal jeden 2. Morgen
gemolken. Da ich die Bewegungen nicht mehr gewöhnt war hatte ich direkt nach
dem ersten Mal tierischen Muskelkater. Der hat sich natürlich in den nächsten
Tagen keineswegs gebessert. Und jeden Morgen 4:20 aufzustehen hat auch nicht
unbedingt zu einer Verbesserung beigetragen.
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| Auch in Ashburton war es ganz schön kalt |
Zu meinem Glück fand sich direkt am See ein nicht allzu
teurer Campingplatz und so musste ich nachdem ich zeitgleich mit dem
Sonnenuntergang wieder am Auto angekommen war nicht wieder über die ekelhafte
Gravel Road zurück, sondern konnte einfach da bleiben. Ein bisschen unheimlich
war der Campingplatz aber schon. Ich war ganz alleine dort, es gab kein Büro sondern
nur eine Selbstregistrierung mit Kasse des Vertrauens und ich hatte den ganzen
Tag keine Menschen außer einem älteren Ehepaar getroffen. Das ist in Neuseeland
ja an sich nichts ungewöhnliches, allerding war direkt am See eigentlich eine
Art Stadt. Nur war diese komplett verlassen. Es scheint sich um Ferienhäuser zu
handeln, die natürlich in der kalten Jahreszeit ihren Reiz und damit ihre
Bewohner verlieren. Auch auf dem Campingplatz stand der ein oder andere
verlassene Caravan herum.
Am nächsten Tag wollte ich eigentlich auch wandern gehen,
aber diesen Gedanken habe ich nach dem Aufwachen ganz schnell ziemlich tief
vergraben. Es regnete. Und zwar ziemlich stark und ein Blick aus dem Fenster
auf den aufgeweichten Rasen sagte mir, dass es das schon seit einer Weile tat.
Demzufolge habe ich den halben Tag im Bett verbracht,
gelesen und Film geschaut. Frühstücken brauchte ich nicht, denn ich hatte mich
am Tag davor entschlossen, für eine Weile zu fasten und schon gar kein Essen
für den nächsten Tag mitgenommen um gar nicht erst in Versuchung zu geraten.
Als ich dann vom rumgammeln die Nase voll hatte, habe ich mich bereit gemacht
um zurück zu Farm zu fahren. Von dem komplett aufgeweichten Rasen bergauf weg
zu kommen stellte sich aber als gar nicht so leicht raus und ich glaube ich bin
einem Festfahren nur ganz knapp entkommen. Wäre blöd gewesen. Es gab dort
nämlich keinen Empfang. Dann hätte ich erst wieder auf den Berg hoch gemusst.
Jedenfalls habe ich mich irgendwie Zentimeter für Zentimeter aus dem Schlamm
raus gearbeitet, dabei ordentlich den Rasen zerstört und war wirklich
erleichtert wieder auf der tollen Gravel Road fahren zu dürfen.
Jetzt aber zum Fasten. Ihr fragt euch vielleicht, warum ich
das gemacht habe. Ich habe schon von vielen immer wieder gehört, dass Fasten
eine ganz wunderbare Sache ist. Es ist sehr gesund dem Körper und dem
Verdauungssystem ab und an mal eine Pause zu gönnen und soll sich, nachdem man
die ersten Tage überwunden hat auch wirklich toll anfühlen. Ich habe diesen
Gedanken jedenfalls schon seit über einem Jahr gehegt und dachte mir, nachdem
ich in letzter Zeit immer wieder darauf gestoßen bin, jetzt ist der richtige
Moment. Zu Fasten während ich herumreise und in einem in den ersten Tagen
vielleicht nicht ganz so gutem Zustand Auto zu fahren war mir zu gefährlich. Deshalb
wollte ich das machen, wenn ich wieder auf der Farm bin. Also jetzt. Aber jetzt
erstmal genug dazu. Wenn es euch mehr interessiert könnt ihr euch ja gern dazu
belesen. (Rüdiger Dahlke ist nur zu empfehlen.)
Am nächsten Tag ging es wieder an die Arbeit. Dachte ich.
Aber nein. Planänderung. Eigentlich war geplant, dass wir mit dem „Dry Off“
(Das kann man irgendwie nicht übersetzen. „Trokenlegen“ trifft es vielleicht am
ehesten.) der Kühe anfangen. Das sollte eigentlich schon vor 2 Tagen beginnen,
aber da waren die Kühe noch nicht bereit. Und auch jetzt waren die Kühe noch
nicht bereit.
Um euch das kurz und knackig zu erklären: Im Winter werden
die Kühe nicht gemolken. Das beginnt erst wieder nachdem sie im Frühjahr
gekalbt haben. Es wäre im Winter sowieso zu aufwändig und zu teuer genug Futter
anzuschaffen, damit die Kühe Milch geben und gleichzeitig gesund bleiben. Die
Wiesen wachsen aufgrund der Kälte schlecht nach und die Kühe brauchen
gleichzeitig mehr Energie um sich warm zu halten. (Es gibt natürlich trotzdem
Herden, die im Winter gemolken werden. Der Milchpreis ist im Winter höher,
sodass es sich zu lohnen scheint. Ich habe aber auch gehört, dass es sich
eigentlich doch nicht lohnt, da man mehr für den Transport der Milch bezahlen
muss. Die Wege sind weiter, da nicht alle Milchfabriken im Winter arbeiten und
außerdem muss man ja auch noch für das zusätzliche Futter bezahlen. Melken im
Winter ist übrigens kein schöner Job. Die Hände sind dauernd nass und Nass und
Minusgrade ist keine schöne Mischung. Das durfte ich in den ersten 3 Tagen oft
genug erfahren.) Jedenfalls werden die Kühe dazu gebracht immer weniger Milch
zu produzieren. Das geschieht dadurch, dass sie weniger Futter bekommen aus dem
sie Milch machen können (z.B. Gras). Gras gibt ihnen schnell Energie. Es wird
schnell verdaut und enthält viel Flüssigkeit. Die Kühe bekommen also weniger
Gras (und ich glaube auch insgesamt weniger Futter), aber dafür balaege
(scheint auf Deutsch „Heulage“ zu heißen, was auch immer das ist) und Stroh.
Das wird viel langsamer aufgespalten, das heißt die Kühe bekommen nur ganz
allmählich die Energie aus dem Futter und es enthält weniger Flüssigkeit,
sodass sie daraus keine Milch produzieren. Während dieses ganzen Prozesses magern
die Kühe ziemlich ab, aber sobald der Milchfluss dann versiegt ist, können sie
wieder aufgepäppelt werden. Sie fangen nicht einfach wieder an Milch zu
produzieren.
Das klingt ja jetzt erstmal nicht nach zu viel Arbeit. Die
Arbeit kommt aber noch. Sobald die Kühe dann „bereit“ sind – also keine oder
nur noch sehr wenig Milch produzieren, werden ihre Zitzen versiegelt. Das ist
an sich nicht unbedingt notwendig (organic Farmen machen das z.B. nicht), soll
aber gut sein um Mastitis Infektionen über den Winter zu verhindern. Zum
Versiegeln („teatsealing“) aber später mehr. (Okay okay ich sehe es ein. Kurz
und knackig ist was anderes :D )
Die Kühe waren jedenfalls doch noch nicht bereit, weshalb
ich morgens um 7 anstelle in der Melkanlage sauber zu machen kurzfristig nach
Twizel geschickt wurde. Matt und Libby haben dort ein Haus und davor ist ein
Zaun, der eigentlich schon vor einiger Zeit hätte angestrichen werden sollen.
Sie sind aber nie dazu gekommen und jetzt war das also meine Aufgabe. Also mein
Auto geschnappt, schnell noch in Geraldine Farbe und Pinsel gekauft und dann ab
die 180km nach Twizel gefahren. So viel zum nicht Autofahren während den ersten
Fastentagen. Haha.
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| Pause am gleichen Campingplatz auf dem ich mit Joel schon mal war |
War dann aber nicht wirklich ein Problem, denn mir ging es
noch relativ gut. In Twizel war es trotz schönstem Sonnenschein sehr kalt,
sodass ich nach über 5h Zaun streichen komplett erfroren war. Zu meinem
Leidwesen funktionierte das heiße Wasser nicht, sodass ich erst darauf warten
musste bis Matt mir erklären konnte wie ich es in Gang bekomme. Zum Glück
hatten die beiden mir aber eine ordentliche Ladung Feuerholz mitgegeben. Ohne
den Kamin wäre es sonst ziemlich ungemütlich geworden. Heizungen sind in
Neuseeland irgendwie ein Fremdwort. Nach der langen Autofahrt und dem ewigen
Zaun streichen und frieren war ich mittlerweile total erschöpft, aber Tee
trinken und klare Brühe löffeln hat nichts gebracht. An dem Abend ging es mir
ehrlich gesagt ziemlich beschissen. Kein schönes Gefühl dann dort alleine in
dem Haus zu sein. Die Nacht habe ich dort verbracht. Hin und zurück fahren
hätte sich an einem Tag nicht gelohnt. Hätte ich auch gar nicht geschafft.
Nach einer wirklich sehr unerholsamen Nacht bin ich dann am
nächsten Morgen aufgestanden und es ging mir noch schlechter als am Abend davor.
Es war mittlerweile im ganzen Haus wieder kalt und mir war ziemlich übel.
Nachdem ich mich dann etwas schlau gemacht habe, kam heraus, dass das
anscheinend an einem zu schnell abgefallenen Blutzuckerspiegel lag. Als Hilfe
wurde im Internet ein Löffel Honig empfohlen. Danach war mir aber ganz und gar
nicht. Den habe ich mir also eher rein gezwängt, aber nach kurzer Zeit wurde es
doch tatsächlich besser, sodass ich mich in der Lage dazu fühlte, zurück nach
Ashburton zu fahren. Ziemlich langsam natürlich.
Noch auf dem Weg wurde ich angerufen und mir wurde gesagt,
ich solle doch direkt nachdem ich zurück komme zur Melkanlage kommen und mit
beim Zitzen Versiegeln helfen. Es war also so weit.
Ich habe allerdings an dem Tag nicht viel gemacht außer den
Kühen die fertig versiegelt waren einen roten Strich aufs Euter zu sprühen und
ihre Zitzen mit einer Art Desinfektionsmittel einzusprühen. Das kam mir
allerdings recht gelegen. Mir war nämlich ziemlich schwindelig und ich habe
mich echt schwach gefühlt.
Am nächsten Tag war ich dann mit Martin alleine. Die anderen
beiden hatten ihr freies Wochenende. Trotzdem mussten weiter Zitzen versiegelt
werden. Schon vor um 9 mussten 120 Kühe fertig sein, damit der Truck sie
mitnehmen konnte. Dieser hat die „fertigen“ Kühe (übrigens ziemlich unsanft –
das war echt nicht schön) verladen und sie zum Run Off Block in Montalto
gefahren, wo sie den Winter verbringen werden – denn dort befindet sich das
ganze Futter. (Futterrüben, Steckrüben usw.) Auf der Farm wächst im Winter
nicht genug Gras. Dieses Mal musste/konnte ich also beim teatsealing helfen.
Das teatsealing ist eine ziemlich aufwändige Angelegenheit.
In jede Zitze jeder Kuh werden 2 Spritzen gespritzt. Das sind also bei ca. 750
Kühen (es wurden nicht alle versiegelt – einige sind auch zum Schlachter
gefahren) 6.000 Spritzen, die alle einzeln in die Spitzen der Zitzen injiziert
werden müssen. (Haha. Voll der Zungenbrecher. Spritzen in die Spitzen der
Zitzen :D ) Bevor das geschieht muss auch noch jede einzelne Zitze mit sogenannten
„teat wipes“ (eigentlich nichts anderes als Desinfektionstücher, klingt aber
schlauer) sauber gewischt werden.
Die erste Spritze enthält Penicillin. Das soll die eventuell
schon in der Zitze vorhandenen Bakterien abtöten. Die zweite Spritze enthält eine
Art Silikon, das das Eindringen neuer Bakterien verhindern soll. Dieses Silikon
bleibt den ganzen Winter über in einem plastischen Zustand in der Zitze und
muss im Frühling wieder raus gequetscht werden bevor die Kühe das erste Mal
gemolken werden. Eigentlich dachte ich das muss passieren bevor das Kalb das
erste Mal bei der Mutter trinkt, damit es die ganze Chemie nicht aufnimmt, aber
das scheint leider irgendwie keinen zu beunruhigen. Die Zitze muss vorher
gesäubert werden, damit man mit der Spritze keine neuen Keime in die Zitze
schiebt.
Das Ganze läuft dann so ab, dass die Kühe wie beim Melken im
Kreis in der Melkanlage stehen. Natürlich ohne gemolken zu werden. Das ist kurz
vorher das letzte Mal geschehen. Die Leute die die Zitzen versiegeln gehen dann
von Kuh zu Kuh und versiegeln die Zitzen. Die Spritzen hat man in kleinen
Taschen, die man sich um die Hüfte schnallt.
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| Beim Teat-Sealing. Leider waren wir nicht immer so viele. |
Mir wurde es so beigebracht, dass man jede Zitze einzeln
bearbeitet. Also sich eine vornimmt, diese säubert, dann die erste Spritze
(dryclox) und dann die zweite (dryseal) injiziert und dann zur nächsten
übergeht. Während man eine Zitze bearbeitet, hält man sie die ganze Zeit mit
einer Hand fest. Das geht mit der Zeit ganz schön auf die Muskeln, den Arm die
ganze Zeit hoch zu halten. Mit der anderen Hand nimmt man sich dann die
Spritzen, beißt das Endstück ab, schiebt sie (nicht zu tief) in die Zitze und
drückt den Wirkstoff hinein. Ihr könnt euch vorstellen was für Berge an Müll
bei diesem ganzen Prozess anfallen. Pro Zitze mindestens ein teat wipe, 2
Spriten mit jeweils einer Kappe und dazu kommen noch leere Farbdosen vom
Markieren.
Den Kühen gefällt das ganze logischerweise nicht wirklich
gut, weshalb sie doch ganz gern mal nach einem treten. Dabei mit der einen Hand
die Zitze nicht loszulassen und mit der Spritze nicht zu verrutschen aber
gleichzeitig nicht getreten (oder angeschissen) zu werden ist eine ziemliche
Kunst.
Wie zu erwarten bei diesem Aufwand dauert es wenn man nur zu
zweit ist ewig bis man eine Runde von
fast 60 Kühen fertig versiegelt hat, aber wir haben es irgendwie
geschafft vor um 9 fertig zu sein. (Obwohl natürlich Martin den Großteil
gemacht hat. Ich war noch recht langsam.)
Die nächsten 3 Tage haben wir dann jeden Morgen nach dem
Melken das Gleiche gemacht. Allerdings waren wir dann teilweise sogar zu 5.
oder zu 6. weil Freunde von anderen Farmen gekommen sind um mitzuhelfen. Nach
insgesamt 5 Tagen waren wir dann endlich fertig. Eine ziemliche Erleichterung.
Zur Feier dessen und als Dankeschön haben Matt und Libby alle die geholfen
haben am vorletzten Tag zum Essen eingeladen.
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| Mein erster Apfel nach 5 Tagen |
Als wir dann zusammen Essen waren (da hatte ich mit Fasten
schon wieder aufgehört), wussten mittlerweile wirklich alle, dass ich gefastet
hatte. Eigentlich wollte ich das gar nicht, aber Matt und Libby scheinen es
allen erzählt zu haben. Obwohl ich dachte ich hätte es deutlich gemacht, dass
ich mich nicht vor allen „rechtfertigen“ möchte, als ich ihnen am 3. Tag doch
den Grund dafür erzählen musste warum ich in den letzten Tagen sämtliches Essen
abgelehnt habe. Mich haben dann fast
alle darauf angesprochen. Das war nicht so schön. Aber naja. Passiert.
Jetzt waren alle Kühe von der Farm verschwunden, die dadurch
seltsam verlassen wirkte. Deshalb sind wir ab dann jeden Morgen um 7 zum Run
Off gefahren um dort zu arbeiten. Dort war es immer noch kälter als es schon
auf der Farm war, sodass ich mir jeden Morgen Gesicht und Hände auf dem Quad
abfrieren durfte und Zaunspfähle aus gefrorenem Boden ziehen konnte. Die Sachen
die ich dort gemacht habe reichen von Kühe zählen über Zäune in den Futter-
oder Steckrüben verschieben oder begradigen, junge Bullen irgendwelche Hormonpritzen
versetzen um sie zu sterilisieren und Herden hin und her zu treiben bis hin zum
Vermessen schon abgefressener Flächen. Und man habe ich in den paar Tagen dort
viele Stromschläge bekommen. Einige waren sogar so stark, dass die Stellen mit
denen ich den Stromzaun oder andere leitende Dinge berührt habe nach einer
halben Stunde noch gebrannt haben und taub waren.
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| Morgens auf dem Run-Off beim Zaun shiften im Frost |
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| An einem Nachmittag hat mir Matt ein zahmes Reh von einem Freund von ihm gezeigt |
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| Abends auf dem Run-Off. Auf dem Paddock wurden Reste von gefällten Bäumen verbrannt. |
Hier noch 2 Videos vom Run-Off:
Da wir jetzt mit dem dry off fertig waren, war meine Hilfe
nicht mehr nötig und es wurde für mich mal wieder Zeit zu gehen. Der Abschied
war dieses Mal sehr schön. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen kann,
aber ich kann auf den Abschied zurück schauen und michwirklich darüber freuen.
Nicht dass ich gerne gegangen bin – das auf keinen Fall. Aber irgendwie habe
ich das Gefühl mich dieses Mal richtig von jedem Einzelnen verabschiedet zu
haben. Nicht wie letztes Mal als es keinen gejuckt hat, dass ich vielleicht auf
nimmer wiedersehen verschwunden bin. Ich hatte irgendwie die Gelegenheit von
jedem hintereinander, persönlich, in verschiedenen Momenten Abschied zu nehmen
und irgendwie war bei allen das letzte Mal das ich sie gesehen habe besonders.
Damit meine ich, das Verhältnis war anders als das normale, kühle Arbeitsverhältnis.
Ich hatte das Gefühl, dass sie mich in dem Moment nicht nur als Arbeiter,
sondern auch als Freund gesehen haben, von dem sie Abschied nehmen. Das
bedeutet mir viel.
Es folgen noch ein paar Bilder die sehenswert finde:
Es folgen noch ein paar Bilder die sehenswert finde:
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| Nach dem Melken: Sonnenaufgang im Nebel |
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| Quad und Anhänger mit Palmkernel für die Kühe |





















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