Dairy Farm in Galatea – Kuhscheiße überall :D


!!! Bilder kommen vielleicht später. Vielleicht auch nicht. !!!

Am Dienstag, den 26.09.2017, bin ich mit dem Bus von Rotorua nach Murupra gefahren. Der Bus fährt nur 2x am Tag, und das auch nur dienstags, donnerstags und samstags. Trotzdem waren wir einschließlich mir und des Busfahrers nur zu 5. Er hat auch alle Anderen einzeln in Rotorua abgeholt und in Murupara vor der Haustür abgesetzt.
In Murupara habe ich dann in der „Downtown“ auf Karl Steiner – meinen Host – gewartet. Dabei besteht die sogenannte Downtown in Murupara aus ca. 5-6 abgeranzten Geschäften. Nachdem ich 15 min gewartet hatte, habe ich dann mal angefangen zu schauen, ob es denn in Murupara ein Hostel oder so ähnlich gibt - Fehlanzeige. Nach 5 weiteren Minuten kam er dann ein Glück.
Ich bin hier auf der Farm zusammen mit Sophie, einer anderen deutschen Wwooferin,  untergebracht. Sie ist schon 2 Tage eher hier gewesen und konnte mir dadurch schon einiges erklären. Wir wohnen zusammen in einem kleinen, verrümpeltem Zimmer in der Garage. Das Haus von Karl und seiner Familie ist ca. 5 Autominuten entfernt. Wir haben sogar ein kleines Bad mit einem Klo, aber weder warmes Wasser, noch eine Dusche. Dafür einen Kühlschrank und eine Mini-Heizung. Die sollen wir aber nicht benutzen, um Strom zu sparen. Deshalb habe ich auch 7 Bettdecken :D Also im Zimmer war es heute Nacht durch 3 unisolierte Außenwände echt kalt, aber unter meinem Deckenberg war es wirklich angenehm. Außerdem war ich ja nicht alleine im Bett – da waren auch noch einige Spinnen und anderes Getier. Wie gut, dass die hier nicht giftig sind!
Eine Dusche und Essen gibt es im Haus nebenan, bei Alf, dem Vater von Karl.

Als ich hier angekommen bin, wurde ich sofort von allen herzlich in Empfang genommen. War eine sehr lockere Atmosphäre – der krasse Gegensatz zur Avocadofarm!
Nachdem ich mich 5 Minuten mit Sophie unterhalten konnte ging es auch sofort los zum Melken. Ich hatte nicht einmal Zeit mich umzuziehen – hatte also noch meine guten Sachen an. Die werden jetzt demnächst erstmal ohne Umwege in die Waschmaschine wandern!

Beim Melken wird man nämlich super dreckig. Diese Saugdinger von den Melkanlagen hängen in einem Gang, der etwas tiefer gelegt ist, als die Ebene, auf der die Kühe stehen. Von dort findet alles statt. Und da das Euter der Kuh natürlich hinten ist, sieht man die ganze Zeit rechts und links von einem nur Kuhärsche. Und wenn die sich dann spontan entscheiden ein kleines oder großes Geschäft zu hinterlassen, sollte man besser Reißaus nehmen. Das ist aber oft gar nicht so einfach wie es klingt… Dementsprechend sieht man nachher aus: Den Kühen angepasst, also braun gefleckt. Sehr appetitlich xD
Zum Glück gibt es hier Arbeitsklamotten und Gummistiefel für die Wwoofer.
Melken ist übrigens eine gar nicht so ungefährliche Tätigkeit. Die Kühe finden es nämlich nicht besonders toll, wenn man diese Saugdinger an das Euter hängt und treten gern mal um sich. Da muss man echt bisschen schauen, dass man da seine Hand nicht irgendwo in der Nähe hat. Und einige können ihr Bein echt weit nach oben heben…

Außerdem werden hier zur Zeit die Kälber geboren. Die sind total niedlich – und dreckig. Sie werden (leider) von ihren Müttern getrennt und in extra Gehege gesperrt, trotzdem bekommen sie die Muttermilch der Kühe - aber nicht direkt von ihnen. Die Kühe die vor kurzem gekalbt haben werden separat gemolken, ihre Milch dann vermischt und die Kälber bekommen dann also eine Mischmilch von allen Mutterkühen. Ich dachte eigentlich, dass es für Immunsystem und Gesundheit wichtig ist, dass die Kälber genau die Milch von ihrer Mutter bekommen. Vielleicht frage ich einfach nochmal nach.

Hier auf der Farm gibt es richtig viele Autos, die alle schon so halb schrott sind (und keine Sicherheitsgurte haben). Damit fahren wir immer rum und treiben die Kühe zum Melken. Da es hier die ganze Nacht geregnet hat, ist es überall entsprechend schlammig – vor allem wenn dann noch 4x täglich ca. 60 Kühe über den Weg trampeln. Das Autofahren ist entsprechend witzig. Man ist nur am rumrutschen und fährt dauernd in Löcher und Gräben rein. Vor allem darf man halt nicht zu langsam fahren, damit man sich nicht fest fährt. Besonders heute Morgen war das mit dem Lenken gar nicht so einfach. Das Auto  mit dem wir heute Morgen gefahren sind hat sogar kein Automatikgetriebe – man muss also ganz normal schalten. Das scheint in Neuseeland wirklich eine Seltenheit zu sein. Und zum Glück haben hier alle Autos Allradantrieb. Ich glaube sonst würden wir nicht sonderlich weit kommen.
Ehrlich gesagt ist es auch gar nicht so komisch, auf der rechten Seite vom Auto zu sitzen und mit links zu schalten. Das war so als hätte ich das schon immer so gemacht.

Zum Melken morgens müssen wir übrigens um 5:40 aufstehen. Also genau so, wie sich das für eine ordentliche Farm gehört.

Hier ist es zwar ganz schön dreckig und so (Duschen und Klamotten waschen lohnt sich auch gar nicht erst) und sehr abgeschieden, aber die Umgebung ist wunderschön. Direkt „nebenan“ befindet sich der Te-Urewera Nationalpark. Der besteht zum Großteil aus bewaldeten Bergen und von Weitem sieht er echt toll aus. Vor allem, wenn nach dem Regen Nebel aus dem Wald aufsteigt. Wandern kann man darin auch. Das wollen wir auch auf jeden Fall mal machen. Sophie meinte, ihr wurde davon abgeraten, das alleine zu machen, aber nun sind wir ja zu zweit. (Fun-Fact am Rande: „Te-Urewera“ ist Maori und heißt übersetzt „The Burnt Penis“, also zu Deutsch „Der verbrannte Penis“. Der Name kommt irgendwie von einem Märchen über einen Maorihäuptling,  der gestorben ist, nachdem er im Schlaf ausversehen in sein Lagerfeuer grollt ist.)

Mir gefällt es hier jedenfalls bis jetzt wesentlich besser als auf der Avocadofarm, da man hier mal richtig mit anpacken muss und nicht nur so sinnloses Zeug macht. Außerdem ist es hier nicht so peinlich ordentlich. Ist zwar eher das andere Extrem, es ist also ausgesprochen unordentlich, aber damit komme ich besser klar denke ich.
Vor Allem sind hier alle so unglaublich offen! Der Alf, also der, dem das Haus nebenan gehört, war einfach Übernacht nicht da und hat uns alleine in seinem Haus herumfuhrwerken lassen. Und abgeschlossen wird hier sowieso nichts. Weder Autos, noch Häuser. Der Zündschlüssel steckt auch immer. 

Hier ist leider sehr sehr schlechter Empfang und ich habe auch kein WLAN. WhatApp geht nur manchmal, SMS kannst du vergessen. Ihr werdet also vermutlich in nächster Zeit nicht sonderlich viel von mir hören und Bilder gibt es, wenn überhaupt, erst später. Ich komme hier nämlich nicht wirklich zum Bilder machen, weil ich mein Handy meistens nicht dabei habe.

PS.: Diesen Kuhgeruch bekommt man übrigens absolut nicht los. Einfach alles an einem riecht nach Kuh. Die Festivalbändchen besonders… Die sehen sehr lecker nach dem melken aus. (@Emmy: Dein Band habe ich (leider) lieber zur Sicherheit abgemacht. Ich glaube das wäre danach nicht mehr bunt, sondern eher braun gewesen.)

Kommentare

  1. Das klingt ja alles sehr abenteuerlich. Wie lange bleibt Sophie? Wie ist die Verteilung Arbeit und Freizeit? Schön, dass ihr zu zweit seid.

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    1. Sie hat auch keine Ahnung wie lange sie bleiben moechte.
      Die Verteilung von Arbeit und Freizeit variiert von Tag zu Tag. Am Anfang wurde uns gesagt, dass wir nur 2x am Tag melken muessen und ansonsten frei haben, aber mittlerweile arbeiten wir von morgens um 6 bis abends um 8 mehr oder weniger durch. Vielleicht mal ein Powernap zwischendrin. Aber wenn wir fragen wuerden ob wir mal zwischen dem melken frei bekommen um z.B. wandern zu gehen, waere das bestimmt moeglich. Morgen gehen wir zum Beispiel nach dem Melken fuer den ganzen Tag nach Rotorua und haben sogar Nachmittags frei bekommen.

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  2. Du lebst ja wirklich abenteuerlich! Ich würde gern mal "Mäuschen" sein und die "cowgirls" - wenn auch ohne Pferd - beobachten. Ist bestimmt interessant! - Wir verfolgen deine Route auf der Karte. Du bist also immer unter "Kontrolle". - Schön, dass du nicht allein auf der Diary Farm bist und schon manches von dem Land gesehen hast. Vom Wetter wirst du offensichtlich bis jetzt noch nicht verwöhnt. Das wird aber bestimmt noch besser.
    (Irgendwann verliert sich der Stallgeruch. Es gibt noch Schlimmeres.)

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    1. Ja. Es passieren wirklich immer neue Dinge. Das ist toll!

      Das Wetter soll jetzt langsam endlich besser werden. Fuer naechste Woche ist relativ viel Sonne angesagt.

      So schlimm ist der Geruch nach Kuh gar nicht.

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