Erst kam es mir so
fern vor, aber jetzt ist es plötzlich so weit: Weihnachten steht vor meiner
neuseeländischen Tür!
Die
Weihnachtsstimmung hat sich trotz aller Bemühungen (Weihnachtsschmuck,
Weihnachtslieder, Weihnachtsfilme, Plätzchen backen, Geschenke verpacken usw.)
erst im letzten Moment blicken lassen. Es ist nämlich wirklich komisch, im
Sommer Weihnachten zu feiern. Das Verändert die Stimmung total, weil diese
Gemütlichkeit, die Kaminstimmung irgendwie fehlt. Auch an Weihnachten zu
arbeiten und 4:30 zum Melken aufzustehen trägt nicht gerade viel zur
Weihnachtsstimmung bei.
Ihr denkt jetzt
vermutlich, ich rede davon am 24. so zeitig aufzustehen, aber ich rede
eigentlich vom 25. Am 24. Abends ist nur der "Christmas Eve", der
anscheinend nicht wirklich besonders ist. Die eigentliche Bescherung gibt’s am
Morgen des 25. Dezembers.
Das Melken morgens
(am 25.) war aber schon einmal echt witzig, weil ab 5:30 ausschließlich
Weihnachtslieder im Radio kamen. Unter anderem auch "Grandma got run over
by a reindeer", in dem es meines Wissens darum geht, dass Oma am
Weihnachtabend besoffen auf der Straße rum gerannt ist und von einem Rentier
überfahren wurde. Sehr witziges Lied. Oder "Walking in the
winter-wonder-land" wurde irgendwie so abgewandelt, dass es textmäßig zu
Weihnachten im Sommer passt.
Nach dem Melken
haben Laura und ich uns ausnahmsweise mal ein bisschen schick angezogen, weil
es zu Karls und Carolines Haus zum Genschenke auspacken ging. Dort haben die
Kinder schon sehsüchtig auf uns gewartet. Wir waren die letzten und es sollte
erst ans auspacken gehen, wenn alle da sind. Als wir ankamen saßen demzufolge
alle schon auf einer Outdoor Couch-Garnitur (Geschenk von Karl an Caroline, das
wir am Abend vorher nach einigen
Schwierigkeiten zusammen gebaut haben) um den Plastik-Weihnachbaum drum
herum, sodass es sofort los gehen konnte. (Der Plastikbaum ist übrigens gar
nicht so hässlich wie man ihn sich vorstellt. An einen echten Baum kommt es
natürlich nicht ran, aber ist voll ok.)
Ich wusste schon,
dass ich ein Geschenk von meinen Hosts bekommen würde, aber als sie dann mit
einem recht großen Päckchen ankamen war ich doch ziemlich baff. Auf dem
Päckchen stand "To Kate. From Mummy and Daddy". Ich dachte mir schon
so "Oho. Die haben das mit dem Teil der Familie ja ganz schön ernst
genommen" und bedanke mich total, bis Caroline meinte "Du brauchst
dich nicht bei uns zu bedanken! Schau mal was da drauf steht! Mummy and Daddy!
Ich habe dich nicht geboren" Da war ich dann total verwirrt. Nachdem ich
das Geschenkpapier abgemacht habe, und ein mit Briefmarken übersätes Päckchen
zum Vorschein kamen dämmerte es mir dann: Ich habe doch allen ernstes ein
Packet von meinen Eltern aus Deutschland bekommen !!! Das war so schön! Ich war
fast am heulen! Im Packet waren ein Buch ("Sterne über Tauranga" -
klingt total interessant, Tauranga ist eine Stadt in NZ wo ich auch schon 3 mal
war), B12 Zahnpasta, Räucherstäbchen, Fröbelsterne und ein kleiner Engel,
Kopfhörer mit Adapter zum Skypen, eine süße Karte und Plätzchen, die direkt von
allen für "yum" befunden wurde. Das heißt so viel wie dass sie sehr
gut schmecken.
Von Caroline und
Karl habe ich Pralinen und eine Karte mit etwas Geld bekommen. Das war auch
echt süß von den Beiden.
Über das Packet habe
ich mich aber mit Abstand am meisten gefreut! Meine Eltern haben anhand von
Koordinaten, die ich ihnen zufällig mal geschickt habe die Adresse
herausgefunden und das Packet schon Anfang Dezember abgeschickt. Ich glaube so
eine große Überraschung hatte ich zu Weihnachten noch nie! DANKE!!!
Die Kinder haben
Spielzug bekommen, Caroline wie gesagt die Couch Garnitur und Karl hat von
Caroline einen Bullen aus Metall geschenkt bekommen. Laura und ich haben jedem
eine Packung selbst gebackene Mürbeteigplätzchen geschenkt. Die haben wir 2
Tage vorher mit den Kindern zusammen gebacken und am 24. dann verziert. Obwohl.
Nicht nur verziert. Wir mussten auch nochmal nachbacken, weil Cookie-Monster
Karl innerhalb eines Abends und eines Morgens schon die Hälfte aller Kekse (das
waren 4 Bleche!!) aufgefuttert hatte. Und wir dachten wir müssen die Kekse vor
den Kindern verstecken…
Nach dem Geschenke
auspacken griff sich Karl erstmal eine der Wasserpistolen von den Kindern und
spritzte uns damit eiskalt von hinten in den Rücken. Zum Glück haben die Kinder
uns gerächt und ihn im Gegenzug komplett eingeweicht! So eine Wasserschlacht zu
Weihnachten ist auch mal was Neues!
Durchs Melken und
Geschenke auspacken hatten wir es immer noch nicht geschafft, Frühstück zu
essen. So kam es dann, dass wir bei Alf und Margret frühstücken gegangen sind.
Bei denen ist zur Zeit die ganze Verwandtschaft zu Besuch. Das bedeutet, die
anderen 4 Kinder von Alf und Marg (bzw. Geschwister von Karl) sind komplett mit
Familien am Start. Das sind bestimmt 20 Leute, die dort im Vorgarten zelten. Es
geht da ziemlich turbulent zu!
Zum Frühstück muss
man noch wissen, dass das Frühstück kein Frühstück war, wie man sich das so
vorstellt, sondern eigentlich Nachtisch. Es gab Käsekuchen, Marshmallows in
Yoghurt und Marmelade, Götterspeise und sämtlichen anderen Süßkram den man sich
nur erdenken kann. Das war einfach absolut ekelhaft. Schon seit 5h wach und
gearbeitet und dann erstmal einen Zuckerschock vom Feinsten auf den leeren
Magen. Ich glaube das will ich nie wieder.
Auch hier haben die
Kinder dann wieder Geschenke ausgepackt.
Als alle fertig
waren sind wir wieder rüber zum Haus gefahren und haben uns ums Mittag
gekümmert. Normalerweise wird hier nur Abends warm gegessen, deshalb ist es
eine absolute Besonderheit, dass es an Weihnachten zum Mittag warmes Essen
gibt. Will (ein Freund der Familie) und Carolines Mutter waren auch dabei und
wir haben alle in der Küche oder im Wohnzimmer gechillt, gequatscht und
parallel das Essen vorbereitet oder mit den Kindern gespielt. Es gab Truthahn
mit Schinken umwickelt (damit der nicht austrocknet wurde mir gesagt),
Ofenkartoffeln und verschiedenstes Gemüse.
Während alles auf
dem Herd stand haben wir noch das Spiel gespielt, was hier jedes Jahr zu
Weihnachten gespielt wird und Christmas Cracker geöffnet. Das Spiel ist
ungefähr wie Schrottwichteln, nur ohne Schrott sondern mit Geschenken, und das
nach dem auspacken nicht mehr getauscht wird. War ein bisschen sinnlos, aber
trotzdem witzig. Ich habe noch einen Schlüsselanhänger mit einem Kiwi bekommen.
Der bekommt definitiv einen Platz an meinem Schlüsselring zu Hause um mich an
die tolle Zeit hier zu erinnern!
Nach dem leckeren
Mittag gab es - wie sollte es auch anders sein? - schon wieder Dessert:
Eclaires, Karamellwaffeln, Trifle (Kuchen mit Jelly, Obst, Vanillesauce und
irgendwelchem anderen unidentifizierbarem Süßkram - das Ding scheint hier
Tradition zu sein), Pavolva (das typisch neuseeländische Dessert) und - Gott
sei Dank! - Obstsalat. Als ob wir nicht schon genug Zucker hatten!
Viel Zeit um
vollgefressen und mit rundem Bauch dem "Suppenkoma" nachzugehen blieb
allerdings nicht, denn die Kühe mussten ja mal wieder gemolken werden. Das war
aber an sich eine willkommene Abwechslung und ein Grund sich wieder aufzuraffen
und in die Gänge zu kommen. Also versteht mich nicht falsch, es ist total
komisch an Weihnachten zu arbeiten, aber es war kein bisschen schlimm oder
nervig oder sowas. Einige hier würden glaube ich sogar Weihnachten ganz
ausfallen lassen und einfach ganz normal arbeiten, wenn ihre Ehefrauen sie
nicht zurückhalten würden. Karl hat zum Beispiel einfach mal mitten am Tag das
Paddock gemäht.
Als wir mit Melken
fertig waren sind wir nochmal zu Alf und Margret rüber, weil sie auch noch
Geschenke für uns hatten. Laura hat eine Creme bekommen und mir haben sie doch
allen ernstes eine Plüsch-Echse geschenkt, die Geräusche macht! Witzig :D
Ein Alibi-Abendbrot
haben wir uns dort dann auch noch rein gezwängt, weil wir mehr oder weniger
dazu genötigt wurden. Dann sind wir zurück zu Caroline gefahren und haben mit
den Kindern noch einen Film geschaut.
Laura und ich haben
den Abend dann in "unserem" Spa-Pool in der Melkanlage ausklingen
lassen. Wir haben da zwei Stunden im heißen Wasser gesessen, gequatscht und
dabei den Sonnenuntergang und den Sternehimmel beobachtet. Danach habe ich mal
zu Hause angerufen.
Den Grund dafür,
dass wir zu jeder Mahlzeit wo anders waren haben wir erst im Laufe des Tages
raus bekommen:
Es wurde sich um uns
gestritten. Es scheint zwischen den Frauen zu Weihnachten so einen
unausgesprochenen Wettbewerb darüber zu geben, wer das beste Essen auftischt.
Da aber die eine Hälfte der Familie und die andere nicht so gut miteinander
können (und das Essen darf sich ja auch nicht vermischen!), wird auch nicht
zusammen gefeiert. Anstelle dessen wurden wir von jeder Familienhälfte zu jeder
Mahlzeit eingeladen. Wir hätten also alles doppelt essen können. Das erklärt
auch den Stress über die Frage wo wir zu Weihnachten sind, der sich schon seit
einigen Wochen bemerkbar gemacht hatte.
Es scheint also auch
hier so zu sein, dass an Weihnachten die Chance auf ein kleineres oder größeres
Familiendrama ungewöhnlich hoch ist ;)
Weihnachten ist hier
jetzt schon vorbei. An sich ist nur der 25. von Morgens bis Mittags von
Bedeutung. Nachmittags findet man schon keinen einzigen Weihnachtssong mehr im
Radio. Als wir nach dem Abendbrot nach Hause kamen war auch der Weihnachtsbaum
samt Schmuck schon wieder auf dem Boden verstaut worden.
Normalerweise wird
dann am 26. wieder normal gearbeitet. Nix mit noch 2 Tage länger vollfressen
und Verwandte treffen.
(Ganz normal
gearbeitet haben wir aber heute (26.12.) nicht. Wir waren stattdessen am Strand
(Ohope Beach) im Regen schwimmen und mit Body-Surfboards auf den Wellen reiten.
Das Wetter ist gerade echt nicht so bombig, aber es hat mega Spaß gemacht. Die
Surfboard waren übrigens eigentlich für die Kinder, aber ratet mal wer damit
durch die Wellen gesurft ist! Natürlich Laura, Karl und ich. Die Kinder haben
zu schnell die Lust verloren.)
Das Weihnachten hier
war jedenfalls wunderschön - viel schöner als ich es mir vorgestellt habe. Und
ich war sogar fast den ganzen Tag in Weihnachtsstimmung. Ich bin total dankbar,
das hier in dieser Familie so erlebt zu haben. Eigentlich dachte ich, dass es
Weihnachten echt schwer wird, wenn man darüber nachdenkt, dass die Familie
jetzt zu Hause gemütlich zusammen sitzt, Geschenke auspackt, Plätzchen isst,
Glühwein trinkt und mit Räucherkerzen rum kokelt. Aber das war es nicht. Hier
habe ich mich so willkommen gefühlt, dass mich der Gedanke an meine Familie zu
Hause nicht traurig gestimmt hat, sondern dass er einfach nur schön war.
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