Mein Onkel kommt mich besuchen!

 4.1.-8.1.2018

Stefan war da! Er hat mich doch allen ernstes in Neuseeland besucht!
Das hieß aber erstmal, dass ich von der Farm weg musste - und damit habe ich mich ganz schön schwer getan. Ich fühle mich hier einfach so wohl und zu Hause, dass ich nicht mehr weg will. Würde auch locker hier einziehen. Was es besonders schwer gemacht hat, war, dass ich nicht wusste, ob ich alle jemals wieder sehen würde. Als ich von zu Hause weg gegangen bin wusste ich wenigstens, dass ich zurück komme und all wieder sehe.

Aber von vorne.
Am Donnerstag Abend (4.1.) kam Stefan mit seinem Mietwagen hier auf die Farm gefahren, wir waren gerade fertig mit melken. Caroline hat extra für den Besuch ein super leckeres Abendrot zubereitet, alles aufgeräumt und sich deshalb voll gestresst. Das Problem war anscheinend, dass sie nicht wusste, dass Stefan kommt. Ich habe zwar Karl 2x gefragt, ob es ok wäre, wenn er hier her kommt und eine Nacht hier schläft (was er 2x mit ja beantwortet hat) - aber das scheint nicht bis zu Caroline vorgedrungen zu sein. Man sollte halt doch lieber direkt mit der Geschäftsleitung reden :D
Aber egal. Wir hatten einen wunderschönen Abend mit richtig leckerem Essen und danach haben wir alle noch zusammen gequatscht. Sogar Alf, Margret und Jordan waren da. Da es sozusagen mein letzter Abend war durften die Kinder länger aufbleiben und wir haben am Ende alle zusammen (Kinder + Laura, Cassie & Jordan) im Wohnzimmer in einer selbst gebauten Bude gesessen und gesungen. Die Kinder haben meinen "Lieblingssong" (nicht) "All about us" von Pink in "All about Kate" umgewandelt. Das war total süß!

Das Melken am nächsten morgen war sehr traurig. Ich hatte bei jedem Handgriff ein "Das machst du jetzt zum letzten mal" im Kopf und mehr als einmal Tränen in den Augen.
Nach dem Frühstück ging es dann ans Sachen packen und vor allem ans verabschieden. Das ging nicht so schnell wie gedacht. Wir haben bestimmt noch 2 oder 3h im Wohnzimmer rum gesessen und gequatscht, weil ich mich einfach nicht los reißen konnte. Ich habe bis zum letzten Moment überlegt ob ich wieder komme, aber war mir eigentlich relativ sicher, dass ich wirklich komplett gehen sollte. Der Gedanke daran hat mich wie gesagt so traurig gemacht, dass ich im letzten Moment entschieden habe, nach den paar Tagen mit Stefan zurück zur Farm zu kommen. Davon ist sowieso jeder ausgegangen :D
Ich glaube wirklich, ich genieße lieber meine Zeit hier noch ein bisschen. Neuseeland sehen wird nicht 6 Monate dauern und ich habe auch eigentlich gar keine Lust darauf, 6 Monate lang herum zu reisen.
Nachdem ich diese Entscheidung gefasst hatte, war es auch viel einfacher, mich zu verabschieden. Das ging dann innerhalb von Minuten, sodass Stefan und ich endlich los konnten.

Draußen wütete der totale Sturm und es regnete wie Sau. Das heißt, alle Outdoor-Aktivitäten, konnten wir schon mal vergessen. Etwas interessantes zu tu zu finden, dass nicht draußen ist, ist in Neuseeland für uns gar nicht so einfach, da wir hauptsächlich an der Natur interessiert sind.
Wir haben uns dafür entschieden in den Polynesian Spa in Rotorua zu gehen. Allein der Weg nach Rotorua war durch den Wind schon sehr abenteuerlich! Quer über der Straße lag z.B . Ein umgefallener Baum. Wir hatten aber richtiges Glück: Der Baum ist ausgerechnet an einer Stelle umgekippt, an dem man ihn durch einen Mini-Forstweg umfahren konnte. Der Forstweg begann allen Ernstes ungefähr ca. 2m vor dem Baum und endete 2m danach. Und als ob das und der starke Wind nicht schon genug gewesen wäre ist direkt hinter uns ein riesiger Baum auf die Straße gekracht. Wir hatten anscheinend echt Glück, dass wir nicht eine Sekunde später an der Stelle vorbei gekommen sind! Wir haben im Auto ein lautes Knacken gehört, uns gewundert und dachten, wir sind wohl über einen Ast gefahren. In Rotorua hat Cassie uns dann erzählt, dass es in Wirklichkeit ein ganzer Baum war! (Sie musste zufällig auch nach Rotorua und ist vor uns her gefahren.)Das war dann schon ein ganz schöner Schock!
Der Polynesian Spa ist ein Thermalbad mit natürlich heißem, sauren oder basischen Wasser. Das Wasser befindet sich aber in künstlichen Swimming Pools. Ich muss sagen, an einem "normalen" Tag wäre mir das Wasser in den Pools zu heiß (von 38-42°C alles dabei). Da es aber teilweise wie aus Eimern geschüttet hat und sehr Windig war, war es perfekt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie toll es ist, im warmen, vulkanischen Wasser zu liegen und sich den Regen ins Gesicht regnen zu lassen! Wir haben uns glaube ich ca. 3h in den Pools einweichen lassen. Anschließend waren wir im Kino in "The Greatest Showman" (kann man sich durchaus mal geben) und haben uns zum Abendbrot Pizza gegönnt. Alles in allem also ein ganz schöner Wellness Tag.

Polynesian Spa

Am Lake Taupo sind wir auch vorbei gekommen

Um der Faulheit mal was entgegen zu stellen, haben wir beschlossen, am nächsten Tag im Tongariro National Park wandern zu gehen. Dazu sind wir mit dem Auto ganz gemütlich nach Whakapapa gefahren und haben so einige Zwischenstopps zum gucken bzw. Fotografieren eingelegt. Die Landschaft war wirklich beeindruckend. Da wir uns mit dem Auto fahren wirklich nicht sehr beeilt haben, haben wir leider die Wanderung, die wir uns vorgenommen hatten nicht ganz geschafft. Eigentlich wollten wir uns den Lower und Upper Tama Lake anschauen, aber wir haben es nur bis zum Lower Tama Lake geschafft. Der Grund dafür war, dass wir spätestens 19:30 im Hotel Adventure Lodge in einem Ort, der anscheinend ohne Witz einfach "National Park" heißt, einchecken mussten. Die Wanderung war aber auch ohne den 2. See sehr schön. Es tat richtig gut, sich einfach mal wieder zu bewegen, nachdem ich 3 Monate fast jeden Meter auf der Farm mit dem Auto gefahren bin. (Das merkt man meiner Kondition leider auch echt an).



Am Lower Tama Lake


Als wir dann abends ins Hotel eingecheckt haben, hat uns die Dame am Tresen ganz spontan gefragt, ob wir denn nicht noch den Shuttle für das Tongariro Alpine Crossing dazu buchen wollen. (Den Shuttle Bus braucht man unbedingt, wenn man diese Wanderung machen will, weil sie keine Rundwanderung ist. Der Shuttle ist also quasi die Eintrittskarte.)
Das Tongariro Alpine Crossing ist ein wirklich sehr berühmter Wanderweg in Neuseeland, der quer durch den Tongariro National Park verläuft. Er zählt anscheinend auch zu den Top 10 Ein-Tages-Wanderungen weltweit. Eigentlich hatten Stefan und ich uns schon vorher überlegt, dass wir dieses Crossing zusammen machen wollen. Durch das schlechte Wetter hatten wir es aber wieder vom Plan gestrichen, da mir von ungefähr allen Personen, denen ich von diesem Vorhaben erzählt habe, dringendst davon abgeraten wurde, schon bei nur leicht schlechtem Wetter da hoch zu gehen. Es herrschen oben halt doch recht alpine Bedingungen (siehe Name).
Die Frau vom Check-In hat uns dann aber gesteckt, dass das Wetter "lovely" sein wird - deshalb haben wir das Ganze doch nochmal überdacht. Nach einer kurzen Beratung, Abschätzen der Risiken und einem Blick aufs Wetter haben wir uns dafür entschieden, das Crossing am nächsten Tag zu machen. Dafür mussten wir allerdings einen Kompromiss eingehen: Das Crossing wollten wir am Sonntag machen. Stefan musste das Mietauto aber schon Montag morgen wieder in Auckland abgeben. Die 2 Möglichkeiten, die es gab waren entweder direkt nach der Wanderung nach Auckland zu fahren oder aber Montag Morgen um 4 aufzubrechen. Da uns direkt nach so einer anstrengenden Wanderung 5h Auto fahren - und das auch noch auf der linken Seite - zu gefährlich erschien, haben wir uns schweren Herzens für Möglichkeit 2 entschieden. Aber das Crossing hatte Priorität. Dafür kann man auch mal zeitig aufstehen.

Der Wecker am nächsten morgen klingelte dann erstmal um 6, da der Shuttlebus 7:30 los fahren würde und wir vorher noch was zu Essen für Unterwegs kaufen mussten. (War für mich aber eine ganz angenehme Uhrzeit, da ich ja sowieso an frühes Aufstehen gewöhnt bin. Zeitig aus dem Bett zu kommen war echt einfacher als auszuschlafen.)
Mein Problem war: Schon nach der kleinen Wanderung gestern taten mir die Beine ziemlich weh - und jetzt das anstrengende Crossing? Fast 20km, ungefähr 1000hm Aufstieg und über 1300hm Abstieg?

Der Anfang war wirklich anstrengend. Naja nein. Eigentlich kam der Part der am anstrengendsten sein müsste erst später. Der Weg bis zur sogenannten "Devil's Staircase" (= Treppe des Teufels) war von der Steigung her ziemlich machbar während die Treppe an sich ihrem Namen alle Ehre gemacht hat. Trotzdem war die Treppe für mich wesentlich leichter zu bewältigen, als der Zustieg, weil man schneller in diesen Einen-Fuß-vor-den-anderen-Modus rein gekommen ist. Ihr wisst bestimmt was ich damit meine.

Leider waren wir den gesamten Aufstieg lang in dichten Nebel gehüllt, sodass wir die angeblich so überwältigende Aussicht gar nicht genießen konnten.

Stefan im Nebel



Kurz vor der höchsten Punkt erwartete uns dann aber noch die böse Überraschung: Sturm, Regen und Kälte. Der Wind war so stark, dass man sich zwischendurch echt hin knien musste um nicht weg geblasen zu werden.  Regen und Kälte waren dementsprechend schmerzhaft. Anscheinend waren einige sogar so verängstigt, dass sie vor Angst geweint haben und sich gegenseitig umarmt haben. Und das waren keine Kinder! So "lovely", wie uns die Dame vom Check-In das erzählt hat war das Wetter also offensichtlich nicht.
Nachdem wir den höchsten Punkt der Wanderung passiert hatten, verzogen sich Nebel, Sturm und Regen zum Glück langsam aber sicher, sodass wir die sogenannten Emerald Lakes mehr oder weniger klar vor uns sehen konnten. Sie haben sich ihren Namen auch wirklich verdient, denn sie sind kristallblau bzw. eher türkies - wie Smaragde eben.
Während des Abstiegs verschwanden die Wolken mehr und mehr. Am Ende hatten wir Sonnenschein und klare Sicht auf die unglaubliche Landschaft vor uns! Das war wirklich beeindruckend!



kurz nach dem Sturm - komplett eingepackt

die Emerald Lakes



endlich hat sich der Nebel gelichtet



bestes Wetter beim Abstieg



Wieder unten am Parkplatz angekommen wartete schon unser Shuttle Bus auf uns, sodass wir nur noch einsteigen mussten und uns in unsere Sitze fallen lassen mussten. Beide natürlich ziemlich erschöpft und mit müden Beinen, aber ich muss sagen, ich war nicht so fertig wie ich es erwartet hätte.

Das Tongariro Crossing hat sich trotz dem kleinen Manko mit dem Wetter auf jeden Fall gelohnt! Falls ihr irgendwie mal in der Region dort sein solltet, solltet ihr das wirklich nicht auslassen.

Auch die Masse an Menschen, die dort über den Track läuft ist kein Grund es nicht zu tun. Es stört wirklich nicht. Ist eher lustig, weil alle Leute in dieser bunten Outdoor-Funktionskleidung durch die Gegend rennen. Selten so eine bunte Menschenmenge gesehen!



Am nächsten Morgen sind wir dann 3:30 aus dem Bett gefallen und saßen um 4 im Auto auf dem Weg nach Rotorua. Stefan wollte mich (trotz des ziemlich großen Umwegs) dort absetzen, damit mich die Leute von der Farm von dort abholen konnten.
Dabei war bis zum letzten Moment nicht klar, ob ich erst noch die Coromandel Peninsula besuchen gehe und danach zurück auf die Farm gehe, oder ob ich direkt zurück gehe. Ich konnte mich absolut nicht entscheiden, was ich will und habe es wirklich bis zum letzten Moment heraus gezögert.
Mein Problem war, dass ich echt sowas wie "Heimweh" nach der Farm hatte, aber auf der anderen Seite dachte ich, dass das wohl meine beste Chance ist, diese Halbinsel zu sehen, weil ich mich ansonsten wieder nicht von der Farm los reißen kann.
Warum ich mich gegen Coromandel entschieden habe? Es gab einige Probleme: zum einen hatte ich keinen Plan, wie ich ohne Auto vom Hostel aus zu den Orten komme, die ich mir anschauen will. Ich habe partout keinen Shuttle Bus oder ähnliches gefunden und wandern war zu weit. Zum anderen ist die Coromandel Region ein richtiges Badeparadies mit traumhaften Stränden usw., aber das Wetter sollte nicht sonderlich gut werden. Deshalb dachte ich mir, es bringt nicht wirklich was, da hin zu fahren. Da kann ich anstelle dessen lieber ein paar mehr Tage auf der Farm genießen.
Ich merke aber echt das ich voll das Problem mit Entscheidungen habe. Ich kann mich einfach nicht festlegen. Hoffentlich kann ich während meiner Zeit in NZ da noch dran arbeiten!

In Rotorua habe ich mich dann nach der anstrengenden Autofahrt (Augen offen halten kann zu einer sehr anstrengenden Aufgabe werden - ein Glück ist Stefan gefahren) erst mal um 6 Uhr morgens vor die iSite gechillt. Da gibt es nämlich WLAN. Dort habe ich dann meinen halben Tag (ca. 5h) auf der Parkbank verbracht, gelesen, WLAN geharzt, Toastbrot mit ekelhaftem einzelverpackten Schmelzkäse und 3 Monate alter Erdnussbutter gegessen, gefroren und versucht nicht einzuschlafen. Ich hab mich echt wie son Obdachloser gefühlt :D 
(Zwischendurch musste ich mich aber mal in ein Café setzen, weil es einfach zu kalt war. Da hab ich mir dann einen super leckeren Chai Latte gegönnt.)
Trotz des ganzen Wartens war ich aber sehr happy, weil ich zum einen ein bisschen Small Talk mit der sehr netten Bedienung im Café und einer Oma an der iSite geführt habe und zum anderen habe ich mich einfach so krass gefreut, gleich alle von der Farm wieder zu sehen. Als sie dann endlich mit dem Van um die Ecke gefahren kamen hatte ich schon wieder ein riesiges Grinsen im Gesicht. Und das schon nach bzw. trotz 3 wundervollen Tagen!

(Das Ganze ist schon eine Weile her. Ihr lest es jetzt erst, weil ich seitdem nicht wirklich an Internet gekommen bin. Auch wenn ich euch auf dem Handy nicht antworte nicht wundern. Habe mir keine neuen mobilen Daten usw. gekauft.)

Kommentare

  1. Mein Kommentar kommt sehr spät, aber ich habe es heute (nur mit Unterstützung) endlich geschafft mit meinem Google Zugang an den Eingabebereich für Kommentare auf dieser Blogseite zu kommen.
    Schade, dass ausgerechnet an diesen wenigen Tagen, die ihr beide zusammen in NZ verbringen konntet, so ungünstiges Wetter war. Mit deinen Beschreibungen von dem Sturm auf der Fahrt und im alpinen Gebirge, hast du mir ganz schön Schreck eingejagt. Zum Glück habe ich erst danach davon erfahren. Schlägt das Wetter so schnell um? Oder war der Wetterbericht zu ungenau?
    Bist du eigentlich für die Zeit mit vollem Gepäck los oder hattest du noch mal schnell umgepackt?
    Liebe Grüße

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