Wanaka


17.04. - 21.04. 
(Die Daten sind wichtig, da ich nicht in Chronologischer Reihenfolge Poste. Bitte nicht verwirrt werden :D )

Weg nach Wanaka


Der Clyde Damm bei Clyde. Angestaut wird der Clutha.
Wanaka ist super! Ich liebe diese Stadt. Allein der Weg von Winton über Gore nach Wanaka war schon der Hammer. Ich bin mit meinem schnuckligen Campervan über State Highway 90, 8 und 6 gefahren. Vorbei an imposanten Bergen, riesigen Flüssen, Staudämmen und süßen Städtchen wie Roxburgh, Alexandra, Clyde und Cromwell. Die Landschaft war natürlich bei bestem Herbstwetter noch schlagender als sie sonst schon gewesen wäre. Ich muss sagen ich bin (vor allem wenn man im Auto unterwegs ist) nicht so der Fan von kaltem Wetter, aber es ist halt schon atemberaubend, wenn man an einem von bunten Bäumen umsäumten See vorbei fährt, zu dessen Seiten sich auch noch wirklich massive, schneebedeckte Berge erheben. Da kann man einfach nicht anders, als am nächsten Lookout stehen zu bleiben und einfach nur zu schauen. Von dieser Landschaft kann man unmöglich genug bekommen. Egal wie lange man guckt, sobald man den Blick von einer Stelle abwendet und sich eine andere anschaut entdeckt man immer was Neues. Auch wenn man sich diese Stelle vorher schon 10 mal angeschaut hat. Allein das Spiel von Licht und Schatten zu beobachten ist total fesselnd.

Bruce Jackson Lookout. Blick auf Cromwell. Hier fließen Kawarau und Clutha zusammen.

Skydiven

Flug nach oben
Ja. Ich war Skydiven. Einige wissen es vielleicht schon – obwohl ich den Meisten mit Absicht bis nach dem Skydive nichts erzählt habe, um den Überraschungseffekt möglichst groß zu halten. Das mit dem Skydiven war eine relative spontane Entscheidung. Eigentlich wollte ich es in Queenstown machen, aber da war das Wetter richtig schlecht – und ich habe gelesen in Wanaka soll es sowieso besser sein. Ich bin also Nachmittags in Wanaka angekommen und ohne viel zu zögern direkt in die iSite rein und den Sprung gebucht, bevor ich es mir irgendwie anders überlegen konnte.

Am nächsten Morgen ging es dann sehr zeitig los. Um 8 war Check-in am Flughafen. Geschlafen habe ich sehr gut und ich muss sagen ich war schon mal aufgeregter als vor dem Skydive. Zum Beispiel vorm Klavier Vorspiel. Im Gegensatz dazu war ich die Ruhe selbst, obwohl ich natürlich nicht leugnen kann, dass ein bisschen Aufregung schon da war. So Schmetterlinge schon. Vor Allem als ich dann in voller Montur im Flugzeug saß und alle anderen beim raus springen beobachtet habe. Ich war die letzte im Flugzeug.

Es geht raus!

Nachdem man aus dem Flugzeug raus geschubst wird, bekommt man erstmal vom „Fallwind“ (Fahrtwind wäre hier glaub ich unpassend) einen Schlag ins Gesicht. Ist ganz schön kalt da oben. Dann realisiert man erstmal wie blöd man eigentlich ist, freiwillig aus einem Flugzeug raus zu springen und bekommt dieses witzige Gefühl, dass man auch manchmal kurz vorm Einschlafen hat, wenn man im Halbschlaf träumt irgendwo runter zu fallen oder auszurutschen. Und dann wird man sich der unglaublichen Aussicht unter sich bewusst und hat einen Mordsspaß. Die „Eingewöhnungsphase“ hat bei mir zum Glück nur sehr kurz gedauert. Angeblich braucht man meistens so um die 10 Sekunden, aber ich hab mich schon nach 2 pudelwohl gefühlt. Ich denke das liegt daran, dass ich an das Freifall-Gefühl schon vom Klettern etwas gewöhnt bin.


Da ich (den übrigens sehr teuren) 15.000ft Sprung gebucht habe – das sind umgerechnet ca. 4,5km – hatte ich 60 Sekunden freien Fall. Das war echt unglaublich! Dann hat die Frau, die mit mir gesprungen ist den Fallschirm geöffnet und wir sind wieder dem Flughafen entgegen gesegelt. Ich durfte sogar kurz selbst den Fallschirm lenken.


Da durfte ich selber lenken

Dank (des übrigens sehr teuren, aber trotzdem günstigsten) Fotopakets das ich gebucht habe, gibt es auch ein paar Beweisfotos und auch ein Beweisvideo, die/das ihr euch anschauen könnt. Und ich muss sagen, hätte ich diese „Beweise“ nicht, würde ich es mir selbst nicht glauben. Wenn ich mich zurück erinnere kommt mir das Ganze durch die Luft fliegen wie ein Traum vor.

Achso. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass Skydiven sehr teuer ist? Ich hab für den Sprung an sich 449$ und für das Foto Paket 199$ bezahlt. Also leider etwas zu kostspielig um das öfter zu machen – obwohl ich dazu definitiv nicht nein sagen würde. Nächstes Mal dann 19.000ft über dem Franz-Josef Gletscher. Naja. So viel Geld habe ich leider nicht. Aber auch wenn es teuer war – es war der absolute Hammer! Macht das unbedingt! Auch wenn ihr euch nicht traut. Überwindet euch und ihr werdet es zu 110% nicht bereuen.

Puzzling World

Nach dem Skydive hatte ich dann noch einen halben Tag übrig, aber zum Entspannen war mir irgendwie nicht zu mute. Deshalb bin ich in die super berühmte Puzzling World in Wanaka gegangen. Dort kann man sich optische Täuschungen und Rästel anschauen, wie zum Beispiel einen geneignten Raum (seeeeehr verwirrend, da drinnen wird einem so schwindlig), Hologramme, sich zu bewegen scheinende Gesichter und ein Labyrinth. Also es war ganz nett dort, aber ich denke mit Gesellschaft wäre es mindestens doppelt so gut gewesen.


"Love" und "Hate" in einem Bild


Der Wasserhahn schwebte in der Luft. Trotzdem floss Wasser heraus.

Mt Iron

Am nächsten Tag dachte ich dann, dass ich mich mal ein bisschen bewegen sollte. Eigentlich wollte ich vor Sonnenaufgang auf einen Berg hoch klettern, aber der Wetterbericht meinte, dass es wolkig sein und regnen soll. Deshalb hatte ich am Vorabend doch beschlossen auszuschlafen. Also morgens sehr lange im Bett gechillt und noch mit Mama und Papa telefoniert und dann beschlossen wenigstens eine kleine Wanderung zu machen bevor es regnet. Der Mt Iron kam mir da gerade recht: kurze Runde mit nur ca. 220hm Aufstieg, aber trotzdem 360° Aussicht auf Wanaka und Umgebung. Ohne einen riesigen Rucksack war das echt eine sehr entspannte Wanderung. Oben war es sehr windig, aber die Aussicht wirklich gut.

Blick auf Wanaka und den gleichnamigen See. Links Roys Peak und im Hintergrund die Berge des Mount Aspring National Parks.

Blick nach Norden

That Wanaka Tree

In Wanaka gibt es einen total berühmten Baum. Von dem MUSS man einfach ein Foto machen. Sonst hat man was verpasst. Vor dem Baum ist meistens eine richtige Schlange um ein Bild zu bekommen. Also es ist auch ein sehr schönes Motiv, aber doch etwas überbewertet. Interessant ist der Baum an sich: Der wächst nämlich im Wasser – steht also IM See - und obwohl er schon um die 60 Jahre alt ist, ist er trotz den schwierigen Bedingungen immer noch sehr klein. Ist übrigens eine Weide.

Ich hatte jedenfalls nicht viel zu tun und habe mich dem Gruppenzwang gebeugt und auch ein paar Bilder von diesem Baum gemacht, damit ich euch die jetzt zeigen kann und sagen kann: „Ich war da.“ Aber einfach an dem Baum herum zu sitzen und andere Menschen dabei zu beobachten, wie sie vor dem Baum posen ist eigentlich noch viel besser als selbst Bilder zu machen.



Wanaka Artisan Market

Ich hatte ziemliches Glück an einem Donnerstag in Wanaka zu sein, denn an dem Tag ist jede Woche nachmittags Handwerker Markt. Der war sehr klein, aber trotzdem schön. Habe mir ein paar frische Äpfel und Salat gekauft, an ein paar sehr wohlriechenden Seifen geschnüffelt und eine heiße, geröstete Esskastanie geschenkt bekommen.

Roys Peak vor Sonnenaufgang

Es hatte den ganzen Donnerstag nicht geregnet. Obwohl der Wetterbericht vorausgesagt hat, dass es ab ca. um 9 regnen soll – der Grund dafür, dass ich nicht auf den Roys Peak gestiegen bin. Für Freitag war ähnliches Wetter angesagt, sogar mit Schnee auf dem Gipfel. Dieses Mal habe ich mich davon aber nicht beeinflussen lassen und habe beschlossen, mitten in der Nacht auf den Roys Peak zu steigen, um mir von oben den Sonnenaufgang anzuschauen. 

Der Roys Peak ist übrigens sowas ähnliches wie That Wanaka Tree. Da muss man oben gewesen sein und ein Poser Foto auf DEM berühmten Aussichtspunkt gemacht haben. Um dem Gruppenzwang zu umgehen wollte ich eigentlich anstelle dessen auf den Isthmus Peak steigen. Dann habe ich aber erfahren, dass der Weg dort hoch sehr schwierig ist und man anscheinend an einigen Stellen sogar mehr oder weniger klettern muss. Das muss vielleicht nicht sein im Dunkeln. Und dann vor Allem nicht allein. Also doch Roys Peak.

Ich bin nachts 3:20 aufgestanden, habe mich warm angezogen und bin in Richtung Parkplatz am Roys Peak Track gefahren. Ungefähr um 4 ging es dann los. Etwas über 1200hm Aufstieg komplett im Dunkeln lagen vor mir. Nach ca. 50 Metern musste ich aber schon das erste Mal anhalten und meine Leggins, 2 Pullover und meine Jacke ausziehen. Viel zu warm. Es war viel wärmer als der Wetterbericht vorausgesagt hatte. Ich glaube ich vertraue dem nicht mehr. Dann ging es in T-Shirt und kurzer Hose ohne Pausen weiter bis nach ganz oben. Ich wollte nicht anhalten, weil ich Angst hatte auszukühlen oder die Motivation zu verlieren. 

Der Weg ist zum Glück so ausgetreten, dass es nahezu unmöglich ist, sich zu verlaufen oder zu stolpern. Selbst ohne Licht konnte man ohne Probleme laufen. Der Sternenhimmel war unglaublich – genauso wie die immer kleiner werdenden Lichter Wanakas. Ich habe überraschend viele Menschen auf dem Aufstieg getroffen und bin bestimmt die Hälfte des Weges mit 2 anderen Typen gelaufen. Es ist sehr interessant wie viel Vertrauter man sich unterhält und wie viel offener man einfach ist, wenn man sich nicht sieht. 

Ich war dann erstaunlich schnell am berühmten Aussichtspunkt, obwohl ich mir extra Zeit gelassen hatte um oben nicht zu lange auf den Sonnenaufgang warten zu müssen. Doch bis dahin waren es noch 1 ½ Stunden. Deshalb habe ich beschlossen noch vor Sonnenaufgang die 300hm mehr bis ganz oben zu gehen. Das wollte ich eigentlich erst danach machen. Da der Track hier nicht mehr ganz so einfach war, habe ich recht lange gebraucht und bin zum perfekten Zeitpunkt mit der ersten Dämmerung oben angekommen – ca. 30min vor Sonnenaufgang. Oben war es arschkalt (um den Gefrierpunkt und sehr sehr starker Wind) und ich habe mir trotz komplett umziehen, 5 Lagen, Handschuhen, Mütze und Schal echt den Arsch abgefroren. Und die Hände beim Fotos machen. Aber das war es auf jeden Fall wert. Der Sonnenaufgang war atemberaubend. Der Abstieg im Morgenlicht dann fast noch schöner, denn da war mir wieder halbwegs warm und die langen Schatten der Bäume und Hügel in der Morgensonne waren total faszinierend. Ein gemütliches Frühstück in der Sonne und mit krasser Aussicht hat den Morgen perfekt gemacht.

Ich muss sagen ich bin sehr glücklich, im Dunkeln hoch gelaufen zu sein, denn als ich wieder unten war und den Berggipfel gesehen hab dachte ich mir „Da war ich oben?! Niemals.“ Ich glaube, die Steigung nicht zu sehen hat den Aufstieg sehr erleichtert. Lustig waren die Wanderer, die mir fast ganz unten entgegen gekommen sind und fragten „Hä? Schon oben gewesen?“ oder die, die mich auf den ersten 100m verzweifelt fragten ob es denn noch weit sei bis oben.

Das erste Tageslicht. Unten erwacht gerade Wanaka.



Die ersten Sonnenstrahlen auf den schneebedeckten Bergspitzen auf der gegenüberliegenden Seite. Der End Peak müsste das sein.








Was ein paar Minuten ausmachen. Die ganze Bucht sieht auf einmal ganz anders aus. (Vergleich mit nächstem Bild)







Das obligatorische Poser-Bild am berühmten Aussichtspunkt.

Lavendel Farm

Am gleichen Nachmittag war ich noch auf der Lavendel Farm in der Nähe von Wanaka. Der Shop dort war super. Es hat überall nach Lavendel geduftet! Dann habe ich mir noch ein (sehr überteuertes, sehr kleines) Lavendel-Honig Eis gegönnt. Das war echt mal was anderes und sehr lecker!

Was ich ansonsten so gemacht habe

Hauptsächlich lesen, Fotos machen, die Natur genießen (die ist in Wanaka echt umwerfend – besonders mit den Herbstfarben und dem Schnee auf den Berggipfeln jetzt), in der Bibo abhängen und chillen und mit einer Ente frühstücken. Insgesamt super in Wanaka. Ich wollte gar nicht wieder von dort weg.
Und ich muss sagen, ich komme immer besser damit zurecht, alleine zu reisen. Ich genieße alles was ich tue mehr und mehr. Das war am Anfang eher gar nicht so.

Glendhu Bay

Die Ente mit der ich Frühstück gegessen habe. Die saß da 10 Minuten und hat mich einfach nur angeschaut.



Kommentare

  1. Auch wenn ich einiges schon kannte - ein faszinierender Eintrag und tolle Fotos.

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  2. Einfach toll, was du tust und erlebst. Danke für deinen Bericht. Die Bilder lassen die Schönheit der Natur erahnen. Mittendrin zu sein, ist natürlich noch etwas ganz anderes. Wenn du später die Bilder anschaust, werden bei dir Emotionen wiederkehren. Stimmungen der Landschaft sind eben nicht nur mit dem Auge zu erfassen.

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  3. Ein wirklich wunderbarer ausführlicher Bericht! Ich hoffe, dass es dir weiterhin so gut geht!
    Bin schon sehr auf den nächsten Bericht gespannt und beeindruckt, was für eine Ausdauer hier in deinem Geschriebenen zu sehen ist...sehr beeindruckend(:
    Mach dir eine schöne Zeit (:
    Viele Grüße aus der Hauptstadt;D

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    1. Danke dir! Das freut mich wirklich sehr zu hören :))

      Liebe Grüße in die Hauptstadt ;)
      Hat übrigens einen Moment gedauert bis ich heraus gefunden hab wer du bist :D

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