Schneewanderung zur Mueller Hut

Schon von der iSite aus sieht man die Schneegipfel


01./02.05.2018 

Nachdem es endlich aufgehört hatte zu regnen mussten wir uns endlich mal wieder bewegen. Joel hatte schon vorher die Idee gehabt nochmal beim Mt Cook wandern zu gehen, denn da hatte es die ganze Zeit geschneit und er wollte unbedingt in den Schnee. Also gesagt getan: Sachen eingepackt, Joels Van abgestellt und mit meinem Auto und Chloes Van wieder ab zum Mt Cook. Der Plan war zur Mueller Hut zu wandern, dort eine Nacht zu verbringen und am nächsten Tag wieder runter zu wandern. 

In Mt Cook Village sind wir 3 also erstmal in die iSite, denn wenn man in der Hütte bleiben will muss man sich dort ein Ticket kaufen und eine Intentions Card ausfüllen. Letzteres dient dazu, dass jemand weiß wo man ist und ein Suchtrupp los geschickt werden kann, falls man nicht wieder zurückkommt.

In der iSite wurde uns erst einmal davon abgeraten, zur Mueller Hut zu wandern, denn es lagen 1 bis 2 Meter Schnee. Dadurch könnte es sein, dass der Weg an einigen Stellen nicht mehr sichtbar ist, weil die Pfähle, die den Weg markieren vielleicht vom Schnee verdeckt sind. Außerdem wurde uns gesagt es sei sehr glatt und wir sollten, falls wir doch gehen auf jeden Fall Eishacken und Steigeisen mitnehmen. Da leichte Lawinengefahr war eventuell auch noch Lawinenequipment und am besten ein Location Beacon. Das Ganze hat mich dann doch ziemlich verunsichert und Chloe und ich waren schon drauf und dran, wieder zu gehen. Joel war aber von seinem Vorhaben nicht ganz so leicht abzubringen und hat noch eine zweite Person von der iSite nach ihrer Meinung gefragt. Bei ihr klang es dann direkt nicht mehr ganz so gefährlich und mit seiner legendären Überzeugungskraft hat Joel uns dann doch rum bekommen. Steigeisen, Eishacken und Lawinenequipment haben wir dann auch weg gelassen. Das Zeug zu mieten war uns zu teuer und ich hatte ja noch 4 Wanderstöcke in meinem Auto.

So ging es dann also los. Den ersten Teil des Weges kannte ich schon. Es ging erst einmal wieder zu den Sealy Tarns. Dieses Mal habe ich allerdings die Stufen gezählt: Es sind nach meiner Zählung 1945 oder so ähnlich. Schon unten lag etwas Schnee und nach ca. der Hälfte des Aufstiegs zu den Sealy Tarns waren wir von Schnee umgeben. Schmelzender Matsch-Schnee allerdings, der den Weg zu einer einzigen Pfützenlandschaft verwandelt hat. Noch haben wir versucht den Pfützen auszuweichen.

Als ich das letzte Mal hier hoch gegangen bin dachte ich mir noch „Auf keinen Fall hier hoch mit einem riesen Rucksack.“ Aber wie das so ist beim Wandern, fand ich mich jetzt natürlich dabei wieder genau das zu tun. Das ist beim Wandern irgendwie immer so habe ich das Gefühl. Ich denke mir „Auf keinen Fall“, aber dann packt mich der Ehrgeiz und ich mache es doch. Und währenddessen denke ich mir dann „Warum bin ich so blöd und mache es jedes Mal wieder obwohl ich es besser weiß?!“.

Am Gebirgstümpel gab es dann mal wieder Mittagessen. Dieses Mal war der Ausblick ein komplett Anderer. Alle umliegenden Berge waren mit Schnee bedeckt und der Mueller Lake größtenteils vereist. Die Schuhe waren zu dem Zeitpunkt übrigens schon ein wenig nass.

Ausblick von den Sealy Tarns. Dieses Mal mit Schnee.




Das meine ich mit steil
Von dort ging es noch 500 Meter höher bis zur Mueller Hut. Ab hier gab es keine Stufen mehr – was nicht heißt, dass der „Weg“ weniger steil war. Teilweise sind wir wirklich mit unseren fetten Rucksäcken irgendwelche großen Steine hoch geklettert. Der Schnee war zu Beginn immer noch matschig und mittlerweile gab es keine Chance mehr ihm auszuweichen. Also mal wieder komplett durchgeweichte Wanderschuhe. Scheint zum Wandern in Neuseeland irgendwie dazu zu gehören. Der Weg wurde langsam aber sicher zu einem mehr oder weniger begehbaren Trampelpfad durch den Schnee, der auch immer höher wurde. Besonders witzig wird das Ganze auf sehr steilen Hängen, wenn man einen Schritt hoch macht und dafür gefühlt wieder 2 runter rutscht. Das ist der Punkt an dem man einsieht warum man Eishacken und Steigeisen benutzt. Zwischendurch ist auch durchaus ab und an Hinfallen angesagt und einmal fand ich mich bis zur Hüfte in einem Loch wieder, das vom Schnee verdeckt gewesen war. Dank Chloe und Joel war ich da aber ziemlich schnell wieder draußen.

Joel


Das Wetter war übrigens der Hammer. Wir hatten strahlendsten Sonnenschein (übrigens sehr hell im Schnee ohne Sonnenbrille – meine ist nämlich kaputt) und trotz der Höhe und des Schnees war es windstill und so warm, dass man ohne Probleme mit hoch gekrempelter Hose und T-Shirt laufen konnte. Das hat glücklicherweise wenigstens die Hosenbeine vorm kompletten Durchweichen bewahrt.

Chloe


Fast oben!
Die Aussicht wurde mit jedem Meter besser und durch den Schnee hatten wir irgendwie so viel Spaß, dass es egal war, dass es sehr steil und anstrengend war. Ab und an hörten wie die ein oder andere Lawine den Berg herunter donnern und wir haben auch einige gesehen. Zum Glück auf der gegenüberliegenden Bergkette.

Wir waren dann schneller als gedacht an der Hütte, wo wir als erstes unsere Socken ausgewrungen haben (Mh lecker Sockenwasser!) und uns auf der Terrasse zum Trocknen (im T-Shirt!) in die Sonne gesetzt haben. 

Leider mussten wir doch noch hautnah eine Lawine miterleben. Die Schneelawine vom Dach, die sämtliche zum Trocknen hingestellte Schuhe „über Bord“ von der Veranda gespült hat. Aber mit vereinten Kräften haben wir sie relativ schnell wieder gerettet. Jetzt haben wir definitiv Lawinen-Bergretter-Skills!

Auf der Hütte waren außer uns und den beiden Hütten-Wärtern Ollie und Vanessa noch vielleicht 10 Andere. (Übrigens fast alle mit Steigeisen und Eishacken gewappnet!) Die Hütte war aber recht groß und extrem komfortabel. Es gab zwar leider keinen Kamin, aber dafür Gasherde, Töpfe, geschmolzenes Schneewasser vom Dach und sogar Licht! Zum Klo musste man durch den Schnee – eine ziemliche Überwindung wieder in die eiskalten und nassen Schuhe zu schlüpfen!

Joel ist dann noch mit ein paar anderen auf den Mt Olivier gestiegen während Chloe und ich uns gesonnt haben, bis die Sonne hinter der Bergkette gegenüber verschwunden ist. Dann wurde es ganz schön kalt und wir sind rein gegangen und haben Karten gespielt.

Abendstimmung auf der Terasse

Abends haben wir dann noch alle zusammen gesessen, gekocht, gegessen, Tee getrunken und Alpha-Wellen-Musik von meinem Handy gelauscht, die die Atmosphäre wirklich magisch gemacht hat. Diese blieb auch sehr magisch als wir dann schlafen gegangen sind, denn von meinem Bett aus konnte ich raus gucken. Es war Vollmond. Dadurch und dank des Schnees war es draußen Taghell. Der Schnee hat im Mondlicht geglitzert und es fühlte sich so an als ob wir auf dem Mond wären. Da will man gar nicht schlafen.

Am nächsten Morgen sind die meisten richtig früh aufgestanden um den Sonnenaufgang zu fotografieren, aber ich hab ihn mir lieber gemütlich aus meinem Schlafsack aus durchs Fenster angeschaut. 

Sonnenaufgang - vom Schlafsack aus

Nach einem entspannten Frühstück ging dann die Action los: Der Helikopter kam. Es wurden die Klos ausgepumpt, die Gasflaschen gewechselt, alle alten Matratzen weggebracht, neue angeflogen und und und. Beeindruckend wie präzise so ein Helikopter arbeiten kann! … und was der für einen Wind erzeugt. Nach der gestrigen Schuh-Rettungsaktion waren heute die Socken dran.

Chloe, Joel und ich haben irgendwann Reißaus genommen und sind auf den Mt Olivier hoch gestiegen. Der ist 1922 Meter hoch und von dort hat man DEN Ausblick überhaupt. Umwerfend. 

Blick auf die Mueller Hut beim Aufstieg zum Mt. Olivier

Blick vom Mt. Olivier












Nach dem Mittagessen haben wir uns dann an den Abstieg gewagt. Das Wetter war genauso wie gestern immer noch der Hammer.
Bergab ging es teilweise schneller als man eigentlich wollte, denn es war wirklich glatt. Das ganze runter Rutschen hat aber irgendwie total Spaß gemacht. Diesmal war der Schnee schon weiter oben echt matschig und wir sind irgendwann nur noch durch Matsch gelaufen. War aber egal, die Schuhe waren sowieso noch nass. Nach einer Pause am altbekannten Platz ging es mit wackeligen Beinen wieder die ganzen Treppen runter. Unten dann glücklich ins Auto und ab zur öffentlichen Dusche in Mt Cook Village. Das wurde langsam echt Zeit und war der absolute Genuss.

Die Wanderstöcke haben wir übrigens gar nicht benutzt. 

Mir fällt immer öfter auf, dass Wandern mir extrem gut tut. Ich bin danach immer viel mehr bei mir selbst und wesentlich selbstsicherer. Das fällt mir vor allem im Kontakt zu anderen Menschen auf. Ich unterhalte mich dann mit viel mehr Menschen und die Gespräche werden viel intensiver. Es sprechen mich dann aber auch ganz andere Menschen an. Ich denke, das hat mit meiner Ausstrahlung zu tun. Die verändert sich glaube ich ziemlich zum positiven. Ob mich die Natur so verändert?
Ich bin jedenfalls sehr froh, dass Joel mich doch überzeugt hat das zu machen. Diese Wanderung war der absolute Hammer und definitiv die Beste, die ich je gemacht habe.

Auf dem Rückweg nach Twizel. Im Hintergrund Mount Cook und Lake Pukaki


Der Sonnenuntergang an unserem alten Campingplatz war absolut genial. Der perfekte Abschluss.

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