Wandern am Mt Cook


25.04.- 27.04.2018



Von Te Anau aus bin ich abgesehen von ein paar Lookout-Zwischenstopps direkt nach Twizel durchgefahren. Twizel ist eine recht kleine Stadt und das „Tor“ zum Mt Cook. 

Bilder von der Fahrt von Te Anau nach Twizel:

Blick auf den Lake Wakatipu




Devil's Staircase Lookout. Auch der Lake Wakatipu




Roaring Meg Lookout. Das da unten ist der Kawarau River.


Lindis Pass Lookout. Alles voller Red Tussock. So nennt man diese Pflanze die da überall ist.


Eigentlich wollte ich mir erst Twizel anschauen und danach zum Mt Cook, aber nach Besichtigung des Wetterberichts hat sich der Plan ziemlich schnell in Luft aufgelöst. Am nächsten Tag sollte schönes Wetter werden und danach nur noch Regen. Also habe ich in Twizel nur die Nacht verbracht und am nächsten Morgen ging es früh zeitig los in Richtung Mt Cook Village. Die Straße dorthin ist wirklich sehr malerisch: Sie führt direkt am türkisblauen Lake Tekapo entlang und man hat die ganze Zeit Mt Cook und die umliegenden Berge vor Augen. Das Ganze im Morgenlicht mit komplett wolkenlosem Himmel lenkt sehr gut von der Straße ab.

Der Mt Cook hat noch einen zweiten offiziellen Namen: Aoraki. So wurde er von den Maoris genannt. Der Legende nach ist Aoraki mit seinen Brüdern, die ihre Erdmutter „Papatūānuku“ besuchen wollten mit einem Waka (Kriegskanu) aufs Meer gefahren. Dort haben sie aber auf einem Riff aufgesetzt, wodurch das Kanu entzwei gebrochen ist. Um sich selbst zu retten sind die Brüder auf das umgekippte Kanu geklettert, wo sie vom eisigen Südwind zu Stein erfroren. Das Kanu ist zu Neuseelands Südinsel geworden und die Brüder zu Berggipfeln der Southern Alps. Aoraki, der größte von allen, ist auch zum größten Berg geworden: Der stolze Mt Cook. Der Beschützer. 3724m misst die höchste der 3 Spitzen. Es gibt nämlich 3: den Low Peak, den Middle Peak und den High Peak. 
(Die Sagen der Maori über die Entstehung Neuseelands gibt es als schön animiertes Youtube Video: https://www.youtube.com/watch?v=P6q8E1laQjY)

Die endlos steilen Treppen
In Mt Cook Village angekommen habe ich mich erst einmal in der iSite schlau gemacht, was es denn so für Wanderwege gibt und mich dann für den Weg zu den Sealy Tarns entschieden. Ein „Tarn“ ist ein kleiner Gebirgstümpel. Der Weg dort hoch war durchaus anstrengend. 600hm ausschließlich steile Treppen. Ich hab mal die durchschnittliche Steigung ausgerechnet. Das sind sage und schreibe 26%. Ich wage zu behaupten, dass man das nicht mehr Wandern sondern eher Klettern nennen kann.
Die Mühe hat sich aber wie zu erwarten gelohnt: Ich wurde mit einem makellosen Panorama vom Mt Cook über den Hooker Glacier und Lake und den Mueller Lake bis zur Ebene in der der Tasman River fließt belohnt. Der Tasman River mündet dann in den türkisen Lake Pukaki. 

Auf dem Abstieg waren zitternde Beine natürlich vorprogrammiert.

Ausblick von den Sealy Tarns. Links der Mt Sefton (3151m) und der Footstool (2764m). In der Ferne Mt Cook, direkt davor Hooker Glacier mit dem gleichnamigen See. Im Vordergrund der Mueller Lake und ein Teil des dazugehörigen Gletschers. Der rieseige Kieshaufen ist eine seitliche Moräne des Mueller Glacier. Rechts Mt Wakefield (2012m) und davor das Tal in dem der Hooker River fließt. Dieser mündet dann später in den Tasman River und der in den Lake Pukaki.


Insgesamt war es aber eine kürzere Wanderung als gedacht. 3-4 Stunden waren vom DOC veranschlagt, gebraucht habe ich trotz ausgiebiger Mittagspause oben nur 2. Dadurch war dann noch mehr Zeit für weitere Wanderungen. Ich war zwar fertig, aber die Landschaft war so umwerfend, dass das nicht gestört hat. Außerdem waren die nächsten Wanderungen hauptsächlich flach.

Eine der Hängebrücken.
Ich bin also noch zum Kea Point gelaufen. Von dort hatte ich einen sehr schönen Ausblick auf den Mueller Lake und den dazugehörigen Gletscher. Und ich habe dort viele sehr nette Menschen getroffen, mit denen ich mich gut unterhalten habe. Danach bin ich noch DEN Track gelaufen, den eigentlich alle machen. Den Hooker Valley Track. Er führt 5km lang relativ eben und über 3 Hängebrücken bis zum Hooker Lake. In dem schwimmen echt einige kleinere und auch größere Eisberge, die vom Hooker Glacier dahinter abgebrochen sind. Ziemlich coole Sache. 

Hooker Valley Track. Genau auf den Mt Cook zu.

Der Hooker Lake. Mit Eisbergen vom Gletscher dahinter.

Ein Stück Gletscher. Wer weiß wie alt dieses Wasser schon ist. Krasse Vorstellung, dass man so ein altes Stück eis in einer so kurzen Zeit in seiner Hand schmelzen lassen kann.


Hooker Valley

Zwischen den beiden Tracks habe ich am Parkplatz Joel getroffen. Mit ihm habe ich eine Weile gequatscht und wir haben Nummern ausgetauscht und uns für den nächsten Tag mehr oder weniger verbindlich verabredet. Wir hatten einfach beide keinen Plan was wir machen sollen und dachten, besser zusammen planlos rumlaufen als alleine.

Abends am Alpine Memorial.
Ich habe mich entschieden auf dem Campingplatz direkt an den Wanderwegen zu bleiben, weil ich den Sonnenuntergang und –aufgang und vor allem den angeblich so sagenhaften Sternenhimmel erleben wollte. Der Sternenhimmel soll hier besonders intensiv sein, weil man sich im größten Dark Sky Reserve überhaupt befindet. Hier gibt es besonders wenig Lichtverschmutzung. Alle 3 Dinge waren dann nicht so spektakulär wie ich es mir erhofft hatte. Sonnenunter und –aufgang konnte ich nicht wirklich sehen, weil sie hinter den Bergketten waren und der Sternenhimmel war absolut enttäuschend. Der Mond war so hell, dass man trotz wolkenlosem Himmel fast keine Sterne gesehen hat. War aber auch nicht so schlimm, denn dadurch „musste“ ich nicht mitten in der Nacht aus meinem Auto kriechen und mich dem kalten Wind stellen. Der Campingplatz ist mit 13$ nur für ein Klo und ein Waschbecken übrigens echt teuer – aber trotzdem noch der günstigste in der Umgebung.

Sonnenaufgang


Am nächsten Morgen bin ich dann in das Tal nebenan gefahren. Bis jetzt hatte ich mich nur im „White Horse Valley“ herum getrieben, nun ging es ins „Tasman Valley“. Hier gibt es einige kurze Wanderwege zu den Blue Lakes, zu einem Aussichtspunkt von dem man den Tasman Glacier und Lake sehen kann und zum Ufer des Tasman River. Da ich sehr zeitig da war, war ich an den Blue Lakes komplett alleine. Dort war es so wunderschön und extrem friedlich, dass ich mich in der Morgensonne erst einmal locker eine halbe Stunde ans Ufer gesetzt habe, mein Leben genossen habe und einfach nur da war. Dann kamen allerdings Leute – übrigens auch sehr nett. Beeindruckt hat mich eine asiatische Paar mit ihrem  5 jährigen Sohn, der mit einer Selbstverständlichkeit Englisch gesprochen hat, dass man meinen könnte es wäre ihm angeboren. Er hat sich ohne Probleme mit anderen erwachsenen Neuseeländern unterhalten. Und das war eine Konversation auf einem Level, die ich einem 5 jährigen auch in seiner Muttersprache fast nicht zutrauen würde. Er spricht locker besser Englisch als ich und hatte nicht einmal mit dem Slang der Neuseeländer Probleme. Absolut umwerfend. 

Einer der Blue Lakes.

Nach den Seen bin ich noch zu besagtem Lookout gewandert. Von dort aus hat meine Karte mir angezeigt, dass man über einen sogenannten „Moraine Walk“ entlang der alten Gletscher-Moräne den Lookout mit dem Flussufer verknüpfen kann. Die ersten 3 Meter sahen auch noch nach Weg aus, aber dann war der Weg auf einmal weg. Ich hatte allerdings keine Lust den Hügel den ich schon herunter gegangen war wieder hoch zu klettern um mich den Touristenstömen auf dem Hauptweg anzuschließen, deshalb bin ich erst einmal weiter gegangen – in der Hoffnung, dass der Weg vielleicht doch wieder auftaucht. Natürlich weit gefehlt. Ich bin im Endeffekt damit geendet, dass ich mich durch komplettes Dornengestrüpp gekämpft habe und irgendwann mit völlig zerkratzten Beinen und Armen wieder auf dem Hauptweg angekommen bin. Aber das war es mir wert. Ich habe mir dann noch die nicht soooo spektakuläre Flussmündung angeschaut und bin – diesmal über den Hauptweg – zurück zum Auto gelaufen. 

Von einer seitlichen Moräne des Tasman Glaciers aus Blick auf diesen und seinen Schmelzwassersee.

Dann bin ich noch zur Mt Cook Village gefahren und habe mir das Sir Edmund Hillary Center im berühmten Hotel „The Hermitage“ zu Gemüte geführt. Das war höchst interessant, denn Sir Edmund Hillary ist sowas wie ein neuseeländischer Nationalheld. Er war nämlich der erste Mensch, der – zusammen mit Sherpa Tenzing Norgay - den Mt Everest bestiegen hat. Dafür trainiert hat er am Mt Cook.

Das Beste in diesem Center war allerdings das Kino. Dort habe ich mir z.B. einen 3D Film angeschaut in dem man mit dem Helikopter um den Mt Cook herum geflogen ist. Richtig cool! Noch besser waren allerdings die folgenden Filme. Dafür wurde eine kuppelförmige Leinwand herunter gelassen. Darin wurden dann Filme über das Universum, Sterne, schwarze Löcher, Zeit- und Raumkrümmung aber auch über Erderwärmung gezeigt. Der absolute Hammer. 

Das krasse war, ich war zusammen mit einem anderen neuseeländischen Ehepaar, alleine in diesem riesigen Kino. Die beiden sind nach den ersten 2 Filmen allerdings gegangen, sodass ich die Show komplett für mich alleine hatte. Ich habe mir alle Filme angeschaut und der Typ, der die Filme immer gestartet hat, hat es jedes Mal wieder gefeiert, dass ich immernoch da war.

Irgendwann bin ich dann aber doch zurück nach Twizel gefahren. Wieder auf den Campingplatz auf dem ich schon 2 Tage davor war. 

Auf dem Rückweg sah der Lake Pukaki endlich mal richtig Türkis aus. Ich hatte mich auf dem Hinweg schon gewundert. Da sah er nämlich - warum auch immer - wie ein ganz normaler See aus.

Eigentlich wollte ich mich ja mit Joel treffen, aber ich hatte dann doch länger als gedacht mit Wandern und in dem Museum verbracht, sodass ich schon dachte, dass das jetzt abgeschrieben wäre. Aber siehe da, Joel war auch viel länger wandern als er dachte und wir sind ungefähr zur gleichen Zeit zurückgekommen. Ich hatte eigentlich gar keine Lust mehr mich noch mit irgendwem zu treffen, weil ich von den 2 Tagen wandern total fertig war. Joel meinte aber auch er sei fertig und kam dann auf den gleichen Campingplatz. Im Endeffekt ist der Abend doch noch super schön geworden. Wir haben echt viel geredet und unser Gespräch war für mich extrem interessant und vor allem inspirierend. 

Krasses Licht auf dem Rückweg. Schon wieder ziemlich nah bei Twizel

Ein Seitenarm des Lake Ruataniwha bei Twizel. Diese in Flammen stehenden Bäume musste ich einfach fotografieren. Als ich schon wieder im Auto saß spannte sich noch ein Regenbogen über dem Hügel dahinter auf.

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